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Ich bin amerikanischer Muttersprachler, aber bin in Deutschland aufgewachsen. Dementsprechend beschäftige ich mich schon mein Leben lang mit den Unterschieden und den Feinheiten der zwei Kulturen. Seit über 10 Jahren kombiniere ich diese Erfahrung mit meiner Tätigkeit als Musiker und Lehrer, und gebe nun seit 2017 den Kurs „Englisch für Jazz/Pop Sänger*innen“ an der Hochschule für Musik und Tanz Köln.

Da deutsche Sänger in den allermeisten Fällen schon jahrelang sehr guten Englischunterricht genossen haben, bringen sie ein beeindruckendes Vokabular und gründliches Grammatikverständnis mit. Doch bei der Aussprache, Authentizität, und Feingefühl der Sprache gibt es oft große Defizite, die sich vor allem in der Rolle des Sängers und Texters immer wieder als Hindernisse für den künstlerischen Ausdruck erweisen.

Daher konzentriere ich mich beim Coaching auf genau das, was nicht in der Schule beigebracht wird. Ich möchte Sängern wieder einen spielerischen, unmittelbaren Zugang zu der englischen Klangwelt verschaffen, so wie es eben ein heranwachsender Muttersprachler tut. In meinem Unterricht lernt der Sänger, sich auf musikalische Art und Weise mit Wörtern und Phrasen zu befassen.

Durch diese Wahrnehmungsveränderung steigert sich die Qualität der Aussprache enorm, aber auch die Authentizität des Phrasings: die Betonung und Rhythmik einer Melodie ist eine Sache, die Betonung und Rhythmik der Sprache ist eine andere. Beide Elemente gekonnt zu balancieren ist die Kunst des Jazz-Gesangs. Bloß die korrekte Berücksichtigung von sprachlicher Betonung kann bereits einen riesigen Unterschied im Ergebnis von vielen Sängern ausmachen.

Die Bedeutung von Wörtern und Phrasen kann zudem nicht ausreichend durch Wörterbücher erfasst werden, sondern ist untrennbar eingebettet in einen lebendigen, dynamischen Kontext aus kultureller und emotionaler Konnotation. Für die authentische Verwendung der Sprache ist es für einen Texter unerlässlich, sich mit diesem Kontext vertraut zu machen. Ich zeige Sängern, wie sie auf ganz authentische Weise ihre eigene Identität in der Sprache aufbauen können, um nie wieder aus Versehen in die berüchtigten „Fettnäpfchen“ zu treten.

Mein Kurs ist sehr Praxis-orientiert: alles was wir behandeln, hören wir erst in Beispielaufnahmen, probieren wir direkt an der eigenen Stimme aus, hören einander zu, spielen mit der Sprache, und erstellen Aufnahmen. Der schnelle Lernerfolg kommt dadurch zustande, dass wir anhand einer im Unterricht enstandenen Aufnahme arbeiten. So können Problemstellen sehr einleuchtend erkannt und schnell korrigiert werden; was sich durch das wiederholte Aufnehmen und Anhören noch weiter verfestigt.

Trotzdem fehlt natürlich nicht die theoretische Untermauerung von allen linguistischen Konzepten, die für einen Englisch Sänger wichtig wären. Alle problematischen Konsonanten, Vokale, Diphthonge, Formanten, und Ausspracheregeln werden behandelt und anschaulich erklärt - aber vor allem auch direkt an der eigenen Stimme spürbar gemacht und angewendet.

Ich möchte jedem Sänger damit ermöglichen, seine Ideen und Gefühle so auf Englisch auszudrücken, dass sie andere Menschen erreichen und bewegen können. Durch meinen Unterricht soll jeder Sänger an Klarheit, Selbstbewusstsein, und Ausdrucksmöglichkeiten gewinnen, aber auch letztlich selber entscheiden können, in welche stilistische Richtung er damit gehen möchte.